Richtigstellung

Im Blick auf unsere Tagung „Nahost-Politik im Spannungsdreieck. Die israelisch-palästinensischen Friedensgruppen als Lernorte für die deutsche Politik?“, die wir zusammen mit der Evangelischen Akademie Tutzing und der Petra-Kelly-Stiftung in Tutzing durchführen, gibt es infame Verleumdungen im Internet. Dort wird behauptet, wir plädierten für den Boykott Israels, der unter dem Logo BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) von Palästinensern initiiert wurde und dem sich viele, auch Juden und Israelis, angeschlossen haben. Dies ist nicht der Fall. Als Leiterin der Evangelischen Stadtakademie München habe ich mir bei mehreren Reisen und vielen Begegnungen in Israel und Palästina ein Bild über die Lage vor Ort gemacht. Dezidiert finde ich den Beziehungsabbruch von beiden Seiten keine Lösung, also auch nicht den kulturellen oder sonstigen Boykott, der die Zusammenarbeit unter Verdikt stellt. Deshalb haben wir die Tagung in Tutzing so angelegt, dass wir Friedensgruppen eingeladen haben, in denen Israelis und Palästinenser heute noch zusammenarbeiten. Dieser direkte Kontakt ist aus unserer Sicht der einzige Weg für Verständigung und Entwicklung. Durch ihre Zusammenarbeit zeigen die Gruppen, dass sie keine Boykottvertreter sind.

An der Tagungsvorbereitung war auch Judith Bernstein beteiligt. Es wird von uns verlangt, dass wir uns von ihr distanzieren und die Zusammenarbeit abbrechen. Dies ist mir nicht möglich. Judith Bernstein ist in Jerusalem geborene Jüdin. Sie hat fast ihre ganze Familie durch den Holocaust verloren. Ihr Engagement gilt der Sorge um die Entwicklung Israels, auch wenn viele ihre Positionen als gegen Israel gerichtet empfinden. Ich kann ihre persönliche Motivation verstehen. Wir diskutieren und sind in Sachfragen nicht derselben Meinung. Ich kann mich von einer Meinung distanzieren, doch ich werde mich niemals von einem Menschen distanzieren, dessen subjektive Motivation ich für integer halte und der sich im Rahmen des Grundgesetzes und der Demokratie bewegt.

Wer Einwände gegen die Tagung hat, möge kommen und seine Meinung begründet vortragen. Er und sie ist uns herzlich willkommen. Das gehört zur Diskussionstradition der Evangelischen Akademien, die nach 1945 gegründet worden sind, um zur Redemokratisierung Deutschlands nach dem Versagen im Nationalsozialismus beizutragen. Hier hat weder Antisemitismus Platz noch irgendeine andere Form von Menschenfeindlichkeit. Bitte treten Sie allen Verleumdungen entgegen, die anderes behaupten.

München 6.4.2017

Jutta Höcht-Stöhr

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